High Protein – aber weniger Eiweiß?

Wie Marketing unsere Kaufentscheidungen beeinflusst

Wer sich bewusster ernähren möchte, achtet häufig auf den Eiweißgehalt von Lebensmitteln. Protein gilt als sättigend, unterstützt den Muskelerhalt und spielt besonders bei Gewichtsmanagement oder sportlicher Aktivität eine wichtige Rolle. Entsprechend groß ist mittlerweile das Angebot in Supermärkten und Discountern an Produkten mit der Aufschrift „High Protein“.

Doch ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle zeigt: Nicht immer enthält ein „High Protein“-Produkt tatsächlich mehr Eiweiß als vergleichbare Lebensmittel ohne diesen Hinweis.

Ein Beispiel aus dem Supermarkt:
Ein klassischer Skyr enthält etwa 10–11 g Eiweiß pro 100 g, während eine als „High Protein“ beworbene Variante lediglich 8 g Eiweiß pro 100 g enthält.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten intuitiv, dass ein „High Protein“-Produkt automatisch einen höheren Proteingehalt aufweist als die Standardvariante. Tatsächlich bezieht sich die Bezeichnung jedoch nicht zwingend auf einen direkten Vergleich mit ähnlichen Produkten derselben Kategorie. Stattdessen bedeutet „proteinreich“ laut EU-Verordnung lediglich, dass ein bestimmter Anteil der Energie aus Eiweiß stammt.

Für Konsument:innen kann dies verwirrend sein, da die Erwartungshaltung durch die Verpackung stark beeinflusst wird. Begriffe wie:

  • High Protein
  • Proteinreich
  • Ohne Zuckerzusatz
  • Natürlich
  • Fitness

werden häufig als schnelle Orientierung genutzt. Doch Marketingaussagen ersetzen nicht den Blick auf die tatsächlichen Nährwerte.

Gerade im Alltag, wenn Einkäufe schnell erledigt werden sollen, verlassen sich viele Menschen auf diese Schlagwörter auf der Vorderseite der Verpackung. Die Nährwerttabelle auf der Rückseite wird dagegen oft übersehen.

Dabei liefert sie die verlässlichsten Informationen.

Worauf Verbraucher achten sollten bei der Bezeichnung „High Protein“

Wenn Sie gezielt eiweißreiche Lebensmittel auswählen möchten, empfiehlt es sich, immer den Eiweißgehalt pro 100 g zu vergleichen. So lassen sich Produkte objektiv beurteilen, unabhängig davon, wie sie beworben werden.

Auch wichtig: Ein einzelnes Lebensmittel entscheidet nicht über die Qualität der gesamten Ernährung. Entscheidend ist die Gesamtzusammensetzung der täglichen Mahlzeiten.

Eine evidenzbasierte Ernährungsberatung kann dabei helfen, Orientierung im komplexen Lebensmittelangebot zu gewinnen und individuelle Strategien zu entwickeln, die langfristig umsetzbar sind.

Fazit

„High Protein“ ist kein Garant für den höchsten Eiweißgehalt. Wer sich nicht ausschließlich auf Werbeaussagen verlässt, sondern die Nährwertangaben vergleicht, trifft informiertere Entscheidungen beim Einkauf.

Eine bewusste Lebensmittelauswahl basiert nicht auf Schlagwörtern, sondern auf nachvollziehbaren Informationen.

Sie möchten wissen, wie viel Eiweiß für Sie persönlich sinnvoll ist oder fühlen sich durch widersprüchliche Ernährungsempfehlungen verunsichert?

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